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Unterwegs...durch die dunkle Nacht

Wir waren im letzten Dämmerlicht des Tages aufgebrochen, um einen gemütlichen Spaziergang durch die Nacht zu unternehmen. Die Zeit war perfekt: der frühherbstliche Vollmond war schon am Himmel, die Luft nicht mehr von Mücken und Hitze des Tages beschwert, aber immer noch so warm, dass man keine Funktionskleidung zu Regulierung von Körperhitze und Außentemperatur brauchte.

Auf den letzten Metern, bevor wir den Wald erreichten, kamen uns noch ein paar vereinzelte Autos entgegen. Aber, außer das sie uns blendeten, machten wir uns weiter keine Gedanken darüber. Strammen Schrittes bogen wir auf der Straße ab und folgtem einem Pfad, der uns ohne Umschweife in den tiefen, dunklen Wald brachte.

Ein steiler Berg erstickte die Unterhaltung, die wir so sorglos begonnen hatten. Wir schnauften uns die (gefühlten) 250 Höhenmeter hinauf und freuten uns über die Tatsache: nach rauf kommt runter. Während das Rauschen des Blutes in unseren Ohren die Geräusche des Waldes dämpften, senkte sich die Nacht mit ihrer völligen Finsternis über uns. Konnten wir zu Beginn der Wanderung noch die Hände vor Augen sehen, mussten wir nun die Augen zusammenkneifen um wenigstens noch Umrisse und Schemen zu erahnen, der dichte Baumbestand um uns herum besorgte den Rest und schluckte jeden Funken Mondlicht, der zur Orientierung hätte dienen können. Wäre ich alleine unterwegs gewesen, so hätte ich statt der Verpflegung im Rucksack sicherlich Holzpflock, Talisman und Weihwasser dabei gehabt.

Am Ende des Aufstieges standen wir einen Augenblick keuchend herum und tasteten mit den Füßen über den unebenen Waldboden nach dem Pfad. Umdrehen und zurückgehen wollte niemand, und so suchten wir mit der Taschenlampe, die wir für ausgesprochene Notfälle dabei hatten, nach dem Weg. So weit waren wir gar nicht abgekommen, erleichtert stolperten wir zurück und setzten uns wieder in Bewegung. Puls und Atmung hatten sich in der Zwischenzeit so weit beruhigt, das wir in zusammenhängenden Sätzen kommunizieren konnten.

Langsam wandt sich der ausgetretene Pfad durch den Mischwald und bescherte uns Eindrücke über die Geräusche der Dunkelheit. War es tagsüber eigentlich auch so laut im Wald? Neben mir röchelte plötzlich ein Fuchs/Wolf/Luchs mit fast asthmatischer Panik, der sich, zum Glück, schnell tiefer in das Unterholz zurückzog. Dann flog ein großer Vogel knapp über unsere Köpfe hinweg und überzog uns mit einer weiteren Gänsehaut. So ging es weiter: alle paar Meter ein Geräusch, eine Bewegung, ein Vogel hier, ein Kleintier dort. Keine Kulisse, um entspannt durch den Wald zu traben.

Beruhigt sahen wir nach einiger Zeit die ersten Lichtpunkte eines Dorfes. Vereinzelt schmiegten sich die Bauernhöfe in die Landschaft und gaben uns das behagliche Gefühl, wieder den Rand der Zivilisation erreicht zu haben. In der Mitte des Dorfes, das nur aus einer Straße mit Kreuzung zu bestehen schien, hockten wir uns auf eine Holzbank und pausierten. Erleichtert, den Unheimlichkeiten der Finsternis entkommen zu sein, zündetetn wir ein paar Teelichter an und erholten uns. Die Überlegung, ob wir wieder durch den Wald zurück marschieren sollten, oder aber auf der bequemeren und sichereren Asphaltstraße unsere Wanderung fortsetzen wollten, war keine schwere Entscheidung.

Fröhlich plaudernd machten wir uns auf den Rückweg und freuten uns an der klaren Nacht. Wir befanden uns fast auf der Zielgeraden zu unseren Autos, als sich, nur wenige Meter vor uns, eine Gruppe Wildschweine über ein abgeerntetes Getreidefeld arbeitete und dann schnaufend vor uns stand. Sekundenlang starrten wir uns an. Wie war das? Stehenbleiben? Weglaufen? Was soll  man in einer solchen Situation nochmal tun? Hatte irgendjemand aufgepaßt, als es irgendwo mal zu einem solchen Gespräch gekommen war? Ich jedenfalls konnte nur mit völliger Unwissenheit glänzen und war allein darum bemüht, nicht allzu gefährlich auf die Tiere zu wirken. Wenn sie mich ansahen, sollten sie an Butterblumen, frisches Wasser und fröhliches Wühlen im feuchten Waldboden denken. Mit einer Ohnmacht kämpfend, lächelte ich die Tiere an und wedelte sachte mit der Hand. Nun macht schon, dachte ich. Schön weiter mit euch! Hier gibt es nichts zu sehen. Um die Situation abzurunden, knallte es plötzlich in der Dunkelheit. Das wirkte auf die Wildschweine wie ein Startschuß. Auf ihrer Liste mit den Problemen, die man in einer Nacht so haben konnte, waren wir einen Platz tiefer gerutscht und so machten sie sich, durch den matschigen Graben flüchtend, daran zu überleben. Die Wildheit ihrer Flucht überraschte mich: wäre leise wegschleichen nicht besser gewesen? Lange hielt ich mich mit diesen Überlegungen jedoch nicht auf. Immerhin standen in einiger Entfernung noch Jäger herum. Panisch knipsten wir unsere Taschenampen an und leuchteten in die Dunkelheit. Einige Meter von uns entfernt schälte sich ein Jäger aus einem Gebüsch und fauchte uns an. Was wir uns dabei dächten, einfach so durch die Gegend zu latschen? Mit zitternden Gliedern giftete ich zurück, warum er sich schwer bewaffnet mitten in der Nacht hier herumtreiben würde? Oder hätten wir gegen Gesetze verstoßen, als wir beschlossen, eine Nachtwanderung zu unternehmen? Und wie gut konnten ihre Vorbereitung zur Vermeidung tödlicher Unfälle sein, wenn wir nichts davon mitbekommen hatten? Ohne dem Gespräch Raum für Höflich- oder Förmlichkeiten zu lassen, sagten wir uns noch einiges, was der Schärfe der Situation angemessen war. Ohne jedoch einen Gewinner dieses Wortgefechtes bestimmen zu können, verabschiedeten wir uns und legten den restlichen Weg mit der gleichen Eile zurück, die der der Wildschweine in nichts nachstand.

Als wir endlich am Parkplatz des örtlichen Kreditinstitutes ankamen, auf dem wir unsere Autos abgestellt hatten, war für uns klar: Nachtwanderungen nur noch in der Zeit zwischen 8 Uhr Morgens und 16.30 Uhr Nachmittags.  

 

Bis demnächst

28.8.13 12:04
 
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